Donnerstag, 20. September 2012

Kornelkirschen-"Oliven" oder: ein letzter Sommergruß aus der Wildfrüchteküche

Kaum hat mein Urlaub im wunderschönen Südtirol begonnen, ist er auch schon wieder vorbei. Die Zeit verging wie im Flug. Lustig ist es mit mir, wie bei einem Kind: ich möchte nie, dass die Ferien zu Ende gehen, vor allem erst mal schon gar nicht nach Hause fahren. Na ja, nützt ja nichts, wenn der Urlaub nicht endet, kann kein neuer kommen ;-)
Aber es war höchste Zeit, noch schnell ein paar unreife (gelbliche - leicht rötliche) Kornelkirschen zu ergattern, um sie wieder nach bewährter Manier als "Oliven" einzulegen. Eigentlich sind sie ja schon voll reif um diese Zeit, aber mein Strauch steht Gott sei Dank nordseitig und so reifen dort die Früchte langsamer.

Der erste Schritt ist das Ernten und Einlegen der Kornelkirschen in gesättigte Salzlösung, dann hast Du je nach Größe der Früchte ca. 10 - 14 Tage erst mal Ruhe, bis sie sich mit Salz aus der Lösung vollgesogen haben und weiterverarbeitet werden können.



Das Glas jeden Tag mal schütteln, mit der Zeit löst sich das Salz komplett auf. Durch die hohe Salzkonzentration schwimmen die Kirschen anfangs oben auf, ist die Salzkonzentration ausgeglichen, sinken die Kirschen auf den Boden. Das ist das Zeichen, dass sie nun verwendet und als "Oliven" eingelegt werden können.

Zutaten:
Kornelkirschen unreif, Menge je nach Vorliebe
gesättigte Salzlösung (350 g Salz auf 1 Liter Wasser), soviel, dass die Lösung etwa doppelt so hoch im Glas steht wie die Kirschen

(nach ca. 10 Tagen:)
frische Kräuter nach Wahl, gehackt, wir mögen am liebsten Oregano, Thymian, Rosmarin
evtl. Knoblauchzehen, gehackt
evtl. Pepperoni, kleingeschnitten (am besten mit Einmalhandschuhen! ;-) )
Olivenöl, extra vergine

nach 4 Tagen sinken bereits die ersten Kornelkirschen zu Boden

Tipp: Die Kornelkirschen könnten eigentlich "unbegrenzt" in der Salzlösung bleiben, da sie durch das Salz konserviert werden. Das ist praktisch, wenn man nicht sofort dazu kommt weiterzumachen. Die Zeitangabe (10 - 14 Tage) ist also die frühestmögliche Spanne, nach der man sie weiterverarbeiten könnte.

Nachdem alle Kornelkirschen in der Salzlösung abgesunken sind, gießt Du sie in ein Sieb ab, die Salzlösung wird verworfen. Überbrause sie kurz mit Wasser ...


... gib dann die abgetropften Kirschen in eine weite Schüssel und wasche sie gut aus. Du kannst die Schüssel dazu richtig mit kaltem Wasser voll laufen lassen und die Kirschen mit beiden Händen durchspülen. Erneuere das Wasser noch einmal.


Nun lässt du die Kirschen sehr gut abtropfen

Mische die gehackten Kräuter, den Knoblauch und die kleingeschnittene Pepperoni in einem Schälchen und schichte alles abwechselnd mit den Kirschen zusammen in sterilisierte Schraubgläser. Die Menge und Zusammensetzung der Gewürze entscheidest Du einfach nach Deiner persönlichen Vorliebe.



Fülle die Schraubgläser nicht zu voll, gieße mit Olivenöl auf, so dass die Kirschen oberhalb gut mit Öl bedeckt sind.



Jetzt lässt Du die Früchte einfach ein paar Wochen dunkel und kühl (Keller) ziehen, dann verwendest Du sie wie echte Oliven. Nach dem Anbrechen der Gläser hebst du sie am besten im Kühlschrank auf. Wenn das Olivenöl dort etwas ausflockt, macht es nicht, das gibt sich bei Raumtemperatur wieder.

Wenn Du es erst ausprobieren möchtest, ob Dir die Kornelkirsch-Oliven schmecken, sammle einfach erst mal nur ein oder zwei Hand voll Früchte und nimm entsprechend weniger Salzlösung.

Insgesamt ist natürlich weniger Fruchtfleisch dran wie an richtigen Oliven, aber ich finde, sie schmecken richtig lecker! :-) Und es fühlt sich auch gut an, wenn man selbst in unserer Klimazone so etwas wie "eingelegte Oliven" selber herstellen kann, wenn auch mit anderen Wildfrüchten.




Kommentare:

  1. Wow, was für eine Idee! Hab ich gleicht gepint, irgendwann und irgendwie muss ich das testen, leider fehlen mir (noch) die Kornelkirschen.

    liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  2. Ach, vielleicht meinst du das ja nur, bei Euch heißen die doch Dirndl, oder? ;-)))

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, wollte eigentlich eh Dirndl schreibn, hab dann aber wieder ausgebessert. Wirklich keine Dirndln hier... Ein Strauch gibt's bei mir, die Früchte sehen so aus, aber ganz andere Blätter. Nehm ich nur zur Deko, da trau ich mich nicht, solange ich nicht sicher weiss, was es ist.

      Löschen
    2. Schick mir doch ein Foto vom Strauch und den Früchten, vielleicht kann ich dir helfen :-)

      Löschen
  3. Super. Dass sogar die noch unreifen Kornelkirschen genutzt werden können, wusste ich gar nicht. Vor allem entfällt hiuer das elendige Kerne auspulen... Da wir mehrere Sträucher in der Siedlung haben und mein Herr Schatz gern eingelegte Oliven ist, werde ich das nächstes Jahr mal ausprobieren. Danke für's Rezept!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerne, Peggy! Aber warum bis nächstes Jahr warten, vielleicht hängen noch ein paar unreife an den Sträuchern? Zum Testen reicht ja eine Handvoll. Übrigens, für die Kornel-Oliven gehen tatsächlich nur unreife Früchte, weil sie sonst matschig werden.

      Löschen
  4. Die sehen ja so schön aus. Mit der Farbe vorher könnte ich sie mit Bonbons verwechseln. Nachher erinnern sie tatsächlich an Oliven.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, das stimmt, das Rosa erinnert tatsächlich an Bonbons. Aber die Farbe lässt nach einer Weile im Olivenöl ein bisschen nach. Wenn du beim Wichteln in Käptn's Dinner mitmachst, bekommst du mit ein bisschen Glück vielleicht welche von mir zum Probieren :-)

      Löschen
  5. Achtung: Botulismusgefahr!
    Das Rezept ist zwar sehr lecker, aber leider nicht ganz ungefährlich! Da die Kräuter im Gegensatz zu den kornelkirschen weder salzig noch sauer sind, bieten sie unter dem Öl einen idealen Nährboden für Botulismuskeime, die ein äußerst starkes Gift produzieren können! Ich lege die Kräuter und den Knoblauch deshalb zusammen mit den Kirschen in das Salzwasser ein, welchem ich noch Zitronensäure hinzufüge, bis es ungefähr so sauer ist, wie die unreifen Kornelkirschen. Das sollte die Gefahr reduzien (wobei das nur meine Theorie ist, und ich für nichts garantiere!)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Ben,
      danke für deine Bedenken, aber ich sehe da keine große Gefahr, solange man sauber arbeitet. Denn dann dürftest Du auch keine Pestos herstellen, bei dem rohe Kräuter mit Olivenöl und Salz zermixert werden. Wie bestimmst Du denn den Säuregehalt der Kornelkirschen, damit der Zitronensäuregehalt passend wird?

      Löschen
  6. Hallo Barafra,

    Leider hast du mit deiner Annahme Recht, auch selbstgemachtes Pesto ist nicht sicher. Deshalb sollte man das Pesto im Kühlschrank aufbewahren un, wenn man es länger konservieren möcht, einfriere. Der ph-Wert von eingemachtem oder eingelegtem sollte unter 4,5 liegen, was etwas saurer ist als eine tomate, dann bist du vor Botulismus sicher. Wenn du dir nicht sicher bist, könntest du einen ph-test verwenden. Die Aufbewahrung im Kühlschrank bremst den Erreger ebenfalls aus. Hier noch eine kurze information zu dem Thema Doppelpunkthttp://www.eufic.org/page/de/page/FAQ/faqid/ol-essig-eingelegtem-gemuse-risiko-botulismus/
    Liebe Grüße, Ben

    AntwortenLöschen
  7. Ich habe die Kornelkirsche dieses Jahr erst spät im Herbst entdeckt (vorher wusste ich leider nichts von deren Existenz). In einem Park praktisch vor meiner Haustür!! Sie war schon vollreif. Soooo lecker. Ich habe eine Marmelade daraus gekocht: http://hallo-piepmatz.de/kornelkirschen-marmelade
    Aber dein Olivenrezept klingt auch gut und die Fotos sehen so Appetit anregend aus (; Und ich werde es nächstes Jahr sicher ausprobieren, ich sitze ja jetzt an der Quelle (;

    AntwortenLöschen

Schön, dass Du Zeit auf meinem Blog verbringst, Vielleicht kann Dich das eine oder andere Rezept zum Nachkochen animieren, über Deine Rückmeldung oder Deinen netten Kommentar freue ich mich sehr :-)))
Anonyme Kommentare mag ich nicht so gerne, deshalb bitte ich Dich: Unterschreibe doch bitte Kommentare mit Deinem Namen. Dazu einfach bei Profil auf Name/URL klicken und Deinen Namen eintragen.
Fragen, die Du bei einem Post stellst, werden auch in diesem beantwortet, also bitte wieder vorbeischauen oder in der rechten Sidebar die Kommentare abonnieren.
Kommentare, die augenscheinlich nur dazu dienen, unerbetene Werbelinks für die Seite/Firma des Kommentators zu posten, werden gelöscht, im Wiederholungsfall eine Aufwandsentschädigung von 50 € in Rechnung gestellt.