Sonntag, 6. Mai 2012

Spargel im Bratschlauch - oder: Ich steh nicht auf dem Schlauch, sondern auf den Schlauch ;-)))

Kennst Du eigentlich noch den guten alten >>> Bratschlauch? Ja? Gut! Wenn nicht, dann hier in ein paar kurzen Worten eine Beschreibung: Man kann im geschlossenen Bratschlauch vor allem Gemüse und Fisch aroma-, vitamin- und mineralstoffschonend im Backrohr garen, da man nur ganz wenig Flüssigkeit braucht. Außerdem hat man oben auf dem Herd mehr Platz für anderes, der Backofen bleibt dadurch sauber und man hat weniger Abwasch als beim Garen in einem Dampfgarer. Und was dabei für mich eigentlich das Allerwichtigste ist: das sehr intensive Geschmackserlebnis durch das Garen "im eigenen Saft".

Seit die Spargel-Saison begonnen hat, kommt der Bratschlauch wieder vermehrt zum Einsatz und erlebt derzeit auch bei mir sein Revival. Inspiriert wurde ich dazu vor allem durch meine Facebook-Freundin Greta Grechetto, der ich auch meinen Post widmen möchte.
Ich hatte sogar noch einen Rest Bratschlauch in der Vorratskammer, weil ich vor langer Zeit regelmäßig Fisch darin gemacht habe. Falls du noch nie mit dem Bratschlauch hantiert hast, folgt unten eine ausführliche Beschreibung.

So sieht der Spargel aus, wenn er aus dem Ofen kommt:



Zutaten für 4 Personen:

Bratschlauch (der ist im Supermarkt meistens dort, wo auch Alufolie, Frischhaltefolie oder  Gefrierbeutel zu finden sind)

1 - 1,5 kg Spargel, vom weißen am besten die dickere Qualität mit 28 - 32 mm Ø, aber auch den grünen
2 EL flüssige Butter
Salz, evtl. weißer Pfeffer, Muskat, wenig Zucker
1 Bio-Zitrone (oder Bio-Orange)
evtl. frische Kräuter z. B. Petersilie

Und so geht's:

Den Bratschlauch gut 25 cm länger zuschneiden als das längste Spargelstück. Auseinanderfalten, den innenliegenden Verschlussstreifen entnehmen, diesen in 2 gleiche Teile schneiden. Ein Ende des Bratschlauchs zusammenraffen und mit einem Teil des Verschlussstreifens verschließen.
Den Schlauch auf der anderen Seite gut öffnen, evtl. den oberen Rand zum besseren Befüllen etwas nach außen umkrempeln und auf ein Ofengitter legen. Dabei unbedingt darauf achten, dass die Schweißnaht (gestrichelt schwarz markiert) nach oben zu liegen kommt, damit kein Malheur passiert, sollte die Naht doch einmal reißen (was mir noch nie passiert ist).


Weißen Spargel waschen und von unterhalb des Kopfes bis nach unten schälen, dabei nicht zu sparsam sein und vor allem das untere Drittel gründlich schälen, dort evtl. noch einmal über den Ansatz der "Schuppen" extra darübergehen. Ob er genügend geschält ist, kannst du gut sehen, wenn du mit dem Messer den unteren 1 cm abschneidest, den du ohnehin entfernen muss, um einen frischen Anschnitt zu haben. Geht das Messer leicht und glatt durch, passt es, ansonsten noch einmal nacharbeiten. Es rentiert sich auf alle Fälle, beim weißen Spargel auf dicke Stangen (die etwas mehr kosten) zu achten, damit man nach dem Schälen noch etwas übrig behält!



Grünen Spargel waschen, nur das untere, etwas hellere, leicht ins Violette verfärbte holzige Ende abschneiden, die Stangen selbst brauchst du nicht zu schälen. Geschmacklich ist der grüne Spargel intensiver, leicht nussig, finde ich. Er kostet auch weniger, weil es sich um die oberirdischen Teile des Spargels handelt, und nicht erst mühsam nach allen Regeln der Kunst gestochen werden muss. Da musst Du einfach deine persönliche Vorliebe entdecken, und du kannst ja auch mal abwechseln.

Butter in einem kleinen Messbecher oder einer niedrigen Tasse vorsichtig verflüssigen. Ich mache das in der Mikrowelle.

Bio-Zitronen heiß waschen und in nicht zu dünne Scheiben schneiden, die Kerne dabei entfernen.

Nun die Spargel nebeneinander bzw. in 2 Schichten übereinander in den Bratschlauch (Schweißnaht nach oben!!!) legen und bis an das verschlossene Ende schieben. Magst Du es würziger, salzst und pfefferst Du auch schon die erste Schicht.

Flüssige Butter über die Stangen träufeln  .  .  .


. . .  mit Muskat bestreuen . . .  (ist etwas umständlich mit der Mühle im Bratschlauch, du könntest den Muskat auch in die flüssige Butter hineinreiben und so auf die Stangen bringen) und, wenn man mag, noch frische gehackte Kräuter darauf verteilen . . .


. . . salzen, pfeffern und minimal darüberzuckern, man kommt ganz gut mit der Hand in den Bratschlauch hinein . . .


Zum Schluss die Zitronenscheiben auf die Spargelstangen legen, den Bratbeutel am anderen Ende ebenfalls mit dem Verschlussstreifen verschließen, vorher aber den Beutel noch etwas aufblasen.


Nun musst Du den Beutel oben an der Schweißnaht ca. 1 cm tief mit der Schere einschneiden, damit der sich entwickelnde Wasserdampf entweichen kann und der Beutel nicht platzt.


Den gefüllten Bratschlauch mit dem Ofengitter in die Mitte des nicht vorgeheizten Backofens geben und bei 180 °C Umluft je nach Spargeldicke ca. 20 - 30 min garen.
Hast du keine Umluft, muss du den Ofen unbedingt vorher auf 200 °C vorheizen (übrigens, mehr als 200 °C und auch die Verwendung des Ofengrills verträgt der Bratschlauch nicht!!!)


In der Zwischenzeit kannst Du Dir ja nach Vorliebe z. B. Sauce Hollandaise zum Spargel zubereiten (dann aber zum Spargel keine oder nur wenig Butter geben), einen Sauerrahm-Kräuter-Dip anrühren, Fleisch oder Fisch dazu braten oder einfach nur kalten Schinken auf einem Teller bereitlegen.

Den fertigen Spargel mit dem Gitter aus dem Ofen heben, den Bratschlauch öffnen, die Zitronenscheiben entfernen und den Spargel servieren.

Zu Hause mache ich mir das immer sehr einfach: Ich hebe den Bratschlauch an seinen beiden Enden auf eine vorgewärmte Servierplatte, schneide oben ringsum einen Deckel ab, so dass der untere Teil des Schlauchs stehen bleibt und gebe das Ganze so zu Tisch, damit sich jeder bedienen kann.
Vorsicht beim Öffnen des Bratschlauchs !!!: es tritt kochendheißer Wasserdampf aus, man könnte sich die Hände oder das Gesicht verbrennen!

Man kann den Spargel natürlich ordentlich auf eine Servierplatte umschichten, aber ich bin meistens zu bequem faul ;-))) dazu. Allerdings macht es sich geschmacklich sehr gut, wenn man die entstandene Brühe z. B. noch in die Sauce Hollandaise rührt, die man dann aber beim Zubereiten vorher ziemlich dickflüssig halten sollte. Dann muss man die Spargelstangen ohnehin herausnehmen . . .

Guten Appetit!

Weißer Stangenspargel mit Kabeljau, Kirschtomaten, einem Blatt und jungen Blütenknospen von Bärlauch


Eine weitere, sehr einfache Variante ist es, den Spargel vor dem Garen im Bratschlauch mit reichlich >>> Pesto zu bestreichen. Dazu aber mehr demnächst.

Kommentare:

  1. Barbara,
    den Bratschlauch hatte ich ganz vergessen. Ich weiss nicht, ob ich sie in Toronto, Kanada noch kaufen kann.
    Vielen Dank für das leckere Rezept.
    LG Gisela

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    1. na, das hoffe ich doch, Gisela, dass du auch in Amerika einen Bratschlauch bekommst. Vielleicht sind die sogar schon weiter und haben technische Finessen eingebaut, hihi, z. B. einen Bratschlauch, der Spargel auch noch automatisch schält ...

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  2. Ja...Gretas super Spargelrezept. Endlich ist es mal verbloggt. Sie freut sich bestimmt drüber.

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    1. na, das denke ich doch, liebe Sandra :-)

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  3. Wow. Danke für diese tolle Schritt-für-Schritt-Anleitung und das auch noch mit Fotos veranschaulicht.

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    1. Danke dir, april :-) Ja, ich finde es einfacher, Neues mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung nachzumachen.

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  4. ich freue mich sehr über diese kalorienarme Anregung

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    1. hallo Eva, ähm, dann musst du wohl die Butter weglassen, aber dann schmeckt es nicht mehr ganz so gut, aber immer noch kalorienärmer als mit Sauce Hollandaise :-)

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  5. Braten und Schweinehals mach ich öfters im Bratschlauch, mit Spargel werd ich das auch mal probieren, danke für den Tip =)

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    1. oh, das wäre aber nett, wenn du noch einmal zurückkämst und über deine Erfahrungen berichtest :-)

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  6. stimmt. jetzt wo du es sagst. statt in alufolie im bratschlauch. ich glaub ich hab auch noch welche da. super auch die vielen fotos. danke :-) ah und natürlich ein tolles spargelrezept :-)

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    1. oh, danke, wie nett von dir. Ist im Bratschlauch noch dazu umweltfreundlicher als in Alufolie :-)))

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  7. Liebe Barbara , ich fühle mich geehrt *rotwerd* ... klasse deine Beschreibung !
    Nur eine Frage : warum schneidest du den Schlauch oben ein ? Der platzt garantiert nicht und alles Gemüse bleibt im Dampf ...

    Herzlichen Dank an dich <3

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  8. ... ach so ---> Amaranto bin ich , Greta Grechetto :-)

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    1. Hallo liebe Greta Amaranto ;-))),
      brauchst doch nicht rot werden, ich wollte einfach zu Recht die Inspiration durch dich erwähnen, kann ja nicht so tun, als wäre mir das alles so eingefallen, wenn es nicht so war. *lach*
      Ich schneide den Schlauch oben ein, weil ich mich dabei an die Anleitung des Herstellers halte, die man auch im Beilagezettel findet.
      LG Barbara

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  9. Danke, dass ihm (dem Bratschlauch) nun eine adäquate Plattform geboten wurde!
    ...und vielen Dank für die grandiose "step by step- Anleitung"!

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    1. Gern geschehen, Cora, ein Hoch auf den Bratschlauch!!! ;-)))

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  10. Good Morning Barbara, I love asparagus and often steam it on the stove, but this seems like a good idea to cook them in the oven bags.Thank you for sharing this recipe and for the helpful step by step instructions.

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    1. Good afternoon, Marco Pasha :-) Please, try the recipe by yourself and tell us about your experience :-)

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  11. Toll ge- und beschrieben!
    Der Spargel aus dem Schlauch schmeckt auch lecker mit Orangenzesten und einem leichten Weißwein und etwas Orangensaft zum garen. Ein Stück Butter kommt bei uns meist einfach mit rein - ohne vorher geschmolzen worden zu sein, dass schafft sie zügig im Ofen von ganz allein.

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    1. Danke, Heide,
      ja, das Rezept ist sicherlich beliebig wandelbar und toll mit Orangenzesten. Auf Orangen als Alternative hatte ich in den Zutaten bereits hingewiesen, der Wein kommt bestimmt auch sehr gut, hihi, aber den trinken wir auch ganz gerne dazu :-)
      Die Butter schmelze ich, damit ich die Stangen damit begießen kann, ein Stückchen Butter schmilzt meiner Meinung nach nur nach unten durch und dann lieben nur die unteren Stangen in der Butter, vor allem bei mehrlagigem Garen. Aber klar, so ist es noch einfacher :-)

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  12. gestern zum geburtstag von meinem großen gemacht, mit schweinemedalions die mit rosmarin und speck umwickelt waren, kurz von beiden seiten angebraten und die restlichen 10 min mit zum spargel in den backofen, das ganze dann auf einem bett von rucula drapiert und aus den spargelschalen eine spargelcremesuppe vornweg geköchelt, der große war glücklich und mama hats gefreut
    vielen dank, war meine bratschlauchpremiere und wird nun wohl öfter mal gemacht auf die art

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    1. Danke für Dein Feedback, liebe Fiona :D ja, man lernt einfach nie aus, das ist wunderbar im Leben. Viel Spaß weiterhin mit der Bratschlauch-Kocherei!

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  13. Vielen Dank für dieses leckere Rezept! Ich war etwas skeptisch bezüglich der Orange, aber es schmeckt hervorragend. Dieses leicht süsse und trotzdem säuerliche Aroma harmoniert wunderbar mit dem Spargel! War definitiv nicht das letzte Mal, dass ich Spargel auf diese Weise zubereitet habe :)

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    1. Ich denke, man könnte z. B. auch Grapefruit probieren, da Zitrone als übliche Variante ja auch bestens kommt. Danke für deine Rückmeldung!

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  14. Liebe Barbara, das klingt sehr interessant! Da ich in einem kroatischen Fischerdorf lebe, wo ich leider keinen weißen Stangenspargel bekomme, sondern nur, wenn ich Glück habe, vertrockneten grünen, habe ich bei meinem letzten Besuch in Deutschland ein paar Kilo gekauft und das meiste davon eingefroren. Ob das Rezept auch mit TK-Spargel funktioniert, bin ich gespannt. Normalerweise werfe ich den gefrorenen Spargel ins kochende Wasser ohne ihn aufzutauen. Ich gehe davon aus, dass ich das mit dem Bratschlauch genauso machen muss.

    Ich kann ja berichten, wie es gelaufen ist.
    Liebe Grüße aus Kroatien
    Sonja

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    1. Hallo liebe Sonja,

      dann freut es mich ja umso mehr, dass Du das Rezept ausprobieren willst/kannst. Im Zweifelsfall würde ich die Garzeit im Rohr etwas verkürzen, da Einfrieren gerade bei Gemüse das Gewebe ja bereits angreift. Deshalb ist es normalerweise beim Auftauen dann auch wässrig/labberig. Spargel enthält viel Wasser, es könnte also sein, dass beim Garen von gefrorenem Spargel mehr Flüssigkeit austritt als bei frischem Spargel, da Zellwände beim Frieren in der Regel platzen ...

      Bin schon gespannt auf deinen Erfahrungsbericht. Viel Erfolg!

      Liebe Grüße
      Barbara

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