Freitag, 18. November 2011

"Schlesische Biertunke" unser bestes Weihnachtsessen - oder: wie rette ich mich jetzt aus dem Schlamassel?

Vor einiger Zeit hat Ilse Landfrau zum Wettbewerb "Euer bestes Weihnachtsessen"  (oder *klick* auf das Bild links) aufgerufen. Und das noch in der Vor-Vorweihnachtszeit! Unser "bestes Weihnachtsessen" heißt

Schlesische Biertunke.

Sie ist es deshalb, weil wir sie aus Tradition eben NUR an Weihnachten kochen und essen. Wenn die Küche danach duftet, heißt es für uns: es ist Weihnachten! Ursprünglich ist es das traditionelle Weihnachtsessen meiner Schwiegereltern, die aus Oberschlesien stammen. Diese Tradition möchten wir weiterleben lassen.

Genaue Mengen konnte mir meine Schwiegermutter leider nicht sagen, da sie es einfach "so nach Gefühl" kocht.So habe ich über mehrere Versuche die optimale Zusammenstellung ausgetüftelt und als Rezept niedergeschrieben.

Serviert wird die Schlesische Biertunke bei uns immer als Abendessen am Hl. Abend. Sie ist kein edles, stylisches Weihnachtsmahl, sondern eine deftige Hausmannskost, aber für uns einfach das beste Weihnachtsessen!




Wie mache ich das also jetzt in der Vor-Vorweihnachtszeit??? Ilse Landfrau, da bringst du mich jetzt schon ein bisschen in die Bredouille! Kochen könnte ich es ja, aber eben essen "dürften" wir es nicht, sonst würde ja die Tradition gebrochen.

Ente, Gans ... die kann man den ganzen Winter über essen, passen ja in die Jahreszeit, aber unsere Schlesische Biertunke? Nein, die Tradition zu brechen geht nicht, also bleibt mir nur eins übrig, um am Wettbewerb teilnehmen zu können:  Das Gericht vorzukochen, aber danach muss ich es einfrieren, darf höchstens daran riechen, um die Tradition nicht zu brechen, sonst bekäme ich wohl Schwierigkeiten mit meiner Familie. Was auch einen Vorteil hätte: keine Arbeit mehr am Hl. Abend, da ich es nur auftauen müsste.

Tja, und einen fertig angerichteten Teller sollte ich für den Wettbewerb wohl auch noch fotografieren ... mmh, da wird sich dann wohl doch jemand "opfern" und es bereits vor Weihnachten essen müssen. ;-))) Also, los geht's!

Zutaten für ca. 6 Personen:
1 Pck. Frühstücksbrot à 350 g (sog. Soßenlebkuchen)
3 Flaschen à 0,5 l >>> Karamalz  (wichtiges zum Malzbier: s. unten * * *)
1 Zwiebeln
150 g Petersilienwurzel
150 g Knollensellerie
150 g Karotten
ca. 1, 5 kg sehr würzige Würstchen aller Art (z. B. Debreziner, Pfefferbeißer, Kabanossi etc., 
aber keine Käsewürstchen, da der Käse ausläuft, oder Wiener Würstchen, die sind zu fade)
1 Bund Petersilie
KEIN Salz oder Pfeffer, die Würze kommt nur aus den Würstchen!!!

Man könnte jetzt den Eindruck erhalten, dass es sich um eine relativ süßliche Angelegenheit handelt, aber das stimmt nicht. Wenn das Gericht fertig ist, haben sich alle Geschmacksrichtungen harmonisch miteinander verbunden. Es schmeckt 100 mal besser, als es die Optik vermuten ließe.

Und so geht's:

Zwiebel, Petersilienwurzel, Knollensellerie und Karotten waschen, putzen und in sehr kleine Würfelchen schneiden. Alles zusammen in einem Topf mit etwas Salzwasser (so viel Wasser, dass das Gemüse halbhoch im Wasser steht, 1 TL Salz zugeben) ca. 5 min aufkochen, beiseite stellen.


Nun das Frühstücksbrot (ohne den Rand zu entfernen) in ca. 1/2 cm dicke Scheiben schneiden, in einen großen Topf geben, mit dem Inhalt von 2 Flaschen Karamalz (= 1 l)übergießen, zum Kochen bringen.
Dabei immer wieder am besten mit einem Schneebesen umrühren, bis das Frühstücksbrot sich aufgelöst hat und die Soße schön sämig ist. Am Anfang kann man bei höchster Temperatur ankochen, dann auf ca. 2/3 herunterregulieren, regelmäßig rühren, damit die Soße nicht anbrennt!!! Das restliche Karamalz erst einmal zurückhalten, damit die Soße nicht zu flüssig wird, sie soll eine gewisse Bindung behalten.

Tipp: Sollte sich der Soßenlebkuchen (je nach Produkt) nicht komplett auflösen, kann man das Ganze einfach mit einem Pürierstab zermixen, bevor man das gedünstete Gemüse zufügt.

Jetzt das Gemüse mitsamt der Kochflüssigkeit dazugeben. Die Soße noch mit so viel weiterem Karamalz verdünnen wie nötig. Bis zu diesem Zeitpunkt schmeckt die Soße relativ nichtssagend, keine Sorge!

Die Würstchen in mundgerechte Stückchen schneiden und in die Soße geben, alles erneut zum Kochen bringen (Umrühren!!! am besten mit einem Pfannenwender, da kann man besonders gut am Topfboden entlangfahren), dann von der Herdplatte nehmen. Dort ohne Hitzezufuhr mehrere Stunden ziehen lassen.

Petersilienblättchen abzupfen und klein hacken, unter die Soße mischen.

Vor dem Servieren unbedingt mehrere Stunden ziehen lassen, damit sich das Aroma der Würstchen mit der Soße verbindet. Das bedeutet, dass man auf alle Fälle spätestens morgens mit der Zubereitung beginnen muss, wenn man abends davon essen möchte. Ich selbst koche sie ohnehin immer bereits am Vortag, denn aufgewärmt (regelmäßig umrühren!!!) schmeckt es am allerbesten, und außerdem habe ich dann am Hl. Abend nicht so viel Arbeit.

Als Beilage gibt es >>> gekochtes Sauerkraut und Baguette. Dazu schmeckt ein kühles Bier.

Auch das Sauerkraut, das es als Beilage gibt, koche ich bereits am Tag vorher. Kraut schmeckt ja auch am besten, wenn es mehrmals gewärmt wird. Für diese Menge Biertunke koche ich die 2fache Menge des Grundrezepts.

Ich erwähne nicht umsonst immer wieder, dass bei jedem Erhitzen dieser Soße regelmäßig umgerührt werden soll, denn es brennt wirklich leicht an, wenn man vergisst zu rühren, und einmal angebrannt, ist alles ruiniert und die Arbeit umsonst gewesen.

Wir geben Würstchen mit Soße auf den Teller und einen Klecks Sauerkraut daneben. Gegessen wird es nicht alles getrennt, sondern wir nehmen immer ein Stück Wurst vermengt mit Kraut und Soße auf die Gabel und essen vom Baguette dazu. Am Schluss wird die restliche Soße auf dem Teller mit Baguette aufge"tunkt" (daher der Name "Biertunke"!). Also ihr seht: ein richtig zünftiges Essen.


Für meine Familie gibt es kein besseres Weihnachtsessen! :-)))


und als Dessert gibt es >>> Joghurt-Orangencreme mit Orangenfilets und/oder Granatapfel


* * * Tipp zum Malzbier: in diesem Fall geht NUR die Marke "Karamalz", ich habe vor Jahren schon andere Malzbiere probiert und sie hinterlassen einen ekligen metallischen Geschmack in der sonst richtig leckeren Soße, die ich dann wegschütten musste. Warum auch immer!
Und noch eins: Ich stehe nicht auf der Gehaltsliste der Privatbrauerei Eichbaum!!!)

Kommentare:

  1. Dein Schatz Andreas18. November 2011 um 19:05

    Einfach das beste Weihnachtsessen der Welt. Danke mein Schatz ♥

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  2. Hallo Namensvetterin! Bei facebook habe ich Dich schon länger gesehen, aber jetzt erst gemerkt, dass Du auch einen super Foodblog hast! (Manchmal bin ich etwas langsam...) :-)

    Gleich eingetragen, da schaue ich jetzt öfter rein.

    An Heiligabend kenne ich es auch so, dass man eher etwas einfaches kocht. Ich bin mit schwäbischem Kartoffelsalat und Saitenwürstle aufgewachsen.

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  3. Hallöchen,
    soooo habe das Rezept heute nachgekocht,ging,dank der tollen Beschreibung,kinderleicht! Bin auf den Geschmack gespannt....Lass es jetzt schön ziehen.Ich werde berichten!!
    Schönen 3. Advent
    lg Caro

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  4. Ein später Kommentar - denn ich habe es erst jetzt entdeckt. Das ist mal ein außergewöhnliches und interessantes (Weihnachts) Essen. Würde auch sicher jetzt passen, nachdem es wieder so kalt wurde. Die schlesische Küche ist mir fremd, obwohl viele Einflüsse in die Ruhrgebietsküche hinein kamen. Das würde ich gerne mal ausprobieen.
    Toettchen

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  5. Auch von lieber spät als nie :-) bei uns gibt es genau das gleich essen auch an weihnachten (großeltern aus breslau) und auch wirklich nur an weihnachten, so wie bei euch. das ganze heißt bei uns allerdings fischsuppe, meine oma meint, dass sie das früher normalerweise mit karpfen gegessen haben und nur selten mit würstchen. mittlerweile koch ich das ganze, allerdings in einer veganen variante, es schmeckt einfach super. viele grüße j.

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    1. hey du, kannst du mir die vegane variante geben ? meine mail : NadineDiana200779@gmx.de. Vielen Dank wenn ja ( interessier mich einerseits für schlesische küche, familiy v . dort, andrerseits für vegan..)

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    2. Ich hoffe mal, dass die anonyme Leserin deine Frage überhaupt mitbekommt, NadineDiana. Für mich kann die Biertunke eigentlich nicht vegan gekocht werden, da der Geschmack genau dieser Variante aus den würzigen Würstchen kommt, die in der Sauce ziehen. Warum eine Fischsuppe genau dasselbe sein soll, hat sich mir damals schon nicht erschlossen.

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  6. Bin auch ein bißchen spät, aber da ich gerade in diesem Moment das Weihnachtsessen koche, passt es :) Ich kann wirklich nur empfehlen, kein Karamalz zu nehmen, sondern richtig gebrautes Malzbier, z.B. Neuzeller Klostermalz.
    Ich wünsche allen ein schönes und leckeres Weihnachtsfest!
    Liebe Grüße von Januschka

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    1. Hast du das schon genau für dieses Rezept verkocht? Nicht dass es dann am Ende auch "metallisch" schmeckt. Wenn nicht, würde ich das erst mal für eine kleine Menge testen. Wäre schade, wenn es nicht klappt. Trotzdem danke für den Tipp, mal schauen, ob es das Malzbier im Getränkehandel gibt, dann werde ich das nächstes Jahr gerne ausprobieren.

      Dir auch schöne Feiertage und liebe Grüße
      Barbara

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Schön, dass Du Zeit auf meinem Blog verbringst, Vielleicht kann Dich das eine oder andere Rezept zum Nachkochen animieren, über Deine Rückmeldung oder Deinen netten Kommentar freue ich mich sehr :-)))
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